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4. 

Wesensbeurteilung

2016 in unserer LG

Plakat-Wesensbeurteilung 

12.-13.11.2016

in der 

OG Hamm

Beurteiler: Baumgart / Oßmann

Meldestelle

 

Video zur Wesensbeurteilung 

Vererbung der Haarlänge beim DSH

Seit der Wiederaufnahme der LSTH‐Varietät in den Standard des DSH wird unter Schäferhundefreunden und Züchtern wieder vermehrt über die Haarlängenvererbung beim DSH gesprochen.

Da kann man teilweise abenteuerliche Theorien hören und es werden die unterschiedlichsten Fragen aufgeworfen. So hört man zum Beispiel immer wieder: „Was passiert denn, wenn aus einer LSTH‐Verpaarung stockhaarige Welpen fallen?“ Es wird dabei deutlich, wie wenig die meisten Sportkollegen von der Vererbung der Haarlänge beim DSH wissen. Damit das nicht so bleibt, möchte ich versuchen an dieser Stelle, die Vererbung der Haarlänge darzulegen. Leider geht das nicht, ohne vorher einige genetische Grundbegriffe in vereinfachter Form zu erklären.

Chromosomen: enthalten die gesamte Erbinformation (Gene) einer Spezies. Der Hund hat 39 Chromosomenpaare, inklusive der Geschlechtschromosomen

Gen: Erbanlage oder Erbfaktor, der für die Ausprägung eines bestimmten Merkmales entscheidend ist

Allele: unterschiedliche Varianten eines Gens (das Tier erhält jeweils eine Variante von jedem Elternteil)

Dominantes Gen: setzt sich immer durch, egal welchen Genpartner es hat

Rezessives Gen: können sich erst durchsetzen, wenn sie keinen dominanten Genpartner haben. Schlummern also im Verborgenen, wenn ein dominanter Partner vorhanden ist

Monogene Vererbung: ein Merkmal wird nur durch ein Gen bestimm (Beispiel: Vererbung der Haarlänge beim DSH)

Polygene Vererbung: mehrere Gene bestimmen ein Merkmal (Beispiel: HD‐Vererbung)

Genotyp: Gesamtheit der Gene eines Tieres

Phänotyp: äußere Erscheinung eines Tieres (entsteht durch Genotyp und Umwelteinflüsse)

Die Haarlänge beim DSH wird von nur einem Gen gesteuert (monogene Vererbung). Man weiß deshalb, welche Genvariante (Allel) für Langstockhaar und Stockhaar verantwortlich ist.

Es ist weiterhin bekannt, dass die Anlage für das Kurzhaargen (K) dominant gegenüber der Anlage für das Langhaargen (L) ist. Ein Allel für die Langstockhaarigkeit kommt im Aussehen des Hundes (Phänotyp) erst dann zum Vorschein, wenn das Tier sowohl von der Mutter als auch vom Vater den „Langstockhaarfaktor“ (LL) geerbt hat.

Es ist als gut möglich, dass ein Tier den Langstockhaarfaktor in sich trägt, ohne selbst langstockhaarig zu sein. Man nennt so etwas einen „Anlageträger“, bzw. mischerbig für das Merkmal Haarlänge (KL). Dieses Tier kann dann den Langstockhaarfaktor an seine Nachkommen weitergeben. Ein langstockhaariger Hund (LL) kann folglich auch nur den Langstockhaarfaktor weitervererben. Bei reinen LSTH Verpaarungen können also nur LSTH‐Welpen fallen!

Es ist heute relativ einfach über Labortests die Reinerbigkeit von Hunden bezüglich der Haarvarietät feststellen zu lassen, so dass man auch sicher reinerbig kurzstockhaarige Hunde verpaaren und züchten kann. Manche Züchter, vor allem aus dem Leistungsbereich handhaben das bereits so. Man muss aber immer wieder bedenken, dass jede Einengung auf bestimmte Zuchttiere eine weitere Reduzierung der genetischen Vielfalt bedeutet und damit eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Erbkrankheiten. Ob man dieses Risiko aufgrund eines rein äußerlichen Faktors wie der Haarlänge eingehen sollte, muss jeder Züchter für sich selbst entscheiden.

Noch ein letztes Wort bezüglich der immer wieder erwähnten „Grenzfälle“.

Es gibt keine genetischen Grenzfälle!

Sicherlich gibt es aber bei den langstockhaarigen genau wie bei den stockhaarigen Hunden Tiere mit mehr oder weniger Fell. Aber langstockhaarige Hunde mit weniger Fell sind auch in solch einem Fall anhand der charakteristischen Haarbüschel an den Ohren und den Fahnen an Läufen und Rute zu erkennen.

Dr. B. Ullrich‐Kornadt

Schematische Darstellung der Haarlängenvererbung beim DSH

LL x LL = LL

Es können nur langstockhaarige Welpen fallen.

KK x KK = KK

Es können nur kurzstockhaarige (reinerbige) Welpen fallen.

KK x LL = KL

Es können nur kurzstockhaarige (mischerbige) Welpen fallen.

KL x LL = KL und LL

Es können kurzstockhaarige (mischerbige) und langstockhaarige Welpen fallen.

KL x KL = KK, KL und LL

Es können kurzstockhaarige (rein‐ u. mischerbig) und langstockhaarige Welpen fallen.

KL x KK = KK und KL

Es können nur kurzstockhaarige (rein‐ u. mischerbige) Welpen fallen.

 

Legende:

KK = reinerbig Kurzstockhaar

KL = mischerbig Kurzstockhaar

LL = Langstockhaar